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  • 06Aug

    Wenn es nach der neuen Rangliste der Fifa ginge, wäre Uruguay für die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika qualifiziert, denn nach Brasilien (Platz 1), Argentinien (Platz 8) und Paraguay (Platz 20 – das wurmt schon ein wenig!) nimmt Uruguay Platz 21 ein, und ist damit das viertbeste Team Südamerikas. Wäre dies das Ergebnis am Ende der Eliminatorias de Sudamerica, der Qualifikation für die WM in Südafrika, so würde Uruguay dabei sein. Dort allerdings sieht es nach einer saftigen 0:4 Schlappe am 6. Juni im Estadio Centenario gegen Brasilien und einem 2:2 in Venezuela im Moment nicht so rosig aus. Uruguay ist nach diesen letzten Spieltagen auf den sechsten Tabellenplatz abgerutscht und wäre damit nicht qualifiziert. Aber bis zum Ende der Qualifikation fließt bekanntlich noch viel Wasser durch den Río de la Plata, schließlich stehen noch vier Begegnungen aus, last, but not least die natürlich immer sehr emotionsgeladene Partie gegen Argentinien, am letzten Spieltag (14. Oktober) in Montevideo.

    Diese Begegnung könnte wieder einmal Endspielcharakter haben, wie es schon so oft in der Geschichte des Fußballs der beiden Länder war. Noch brisanter als ohnehin schon wird das diesjährige Aufeinandertreffen wegen der augenblicklich nicht besonders freundlichen politischen Atmosphäre. Bereits seit Jahren wird die für die uruguayische Wirtschaft extrem wichtige Brücke über den Río Uruguay bei Fray Bentos von argentinischen Umweltaktivisten blockiert, die mit dieser Aktion gegen die dort ansässige finnische Zellulosefabrik Botnia protestieren. Die argentinische Regierung hat bis heute nichts dagegen unternommen.

    Die ebenfalls sehr geschichtsträchtige Begegnung gegen Brasilien war für die uruguayischen Fans im altehrwürdigen Rund des Estadio Centenario, unter ihnen auch wir, eine eher traurige Angelegenheit. Brasilien hatte zuvor dreiunddreißig Jahre lang nicht in Montevideo gewinnen können – und dann ein 0:4, ausgerechnet jetzt!

    Das Ergebnis ist sicherlich um ein oder auch zwei Tore zu hoch ausgefallen, so schlecht waren die Urus gar nicht, aber während die Spieler in den hellblauen Trikots vor allem in der ersten Hälfte eine Chance nach der anderen versiebten, gaben die Brasilianer eine Lehrstunde in Effektivität und machten aus zwei Chancen vier Tore. Der erste Treffer war definitiv keine Chance. Der Ball versprang auf dem durch ein wenige Tage vor der Begegnung abgehaltenes Konzert reichlich ramponierten Rasen und trudelte an dem völlig verdutzten uruguayischen Torwart vorbei in die Maschen. Ich habe selten erlebt, dass ein Torhüter unglücklicher aussah. Und das in der 12. Minute. Der Torwart, die Spieler, die 55.000 im Stadion – ganz Uruguay schien geschockt. Es war einfach nur still und der an diesem Tag obendrein auch noch bleigraue Himmel lastete tonnenschwer auf dem Stadionrund. Bei den Uruguayos war nach diesem Schreck praktisch von Beginn an der Wurm drin und in der zweiten Halbzeit wirkten die Beine der Urus beinahe ebenso schwer, wie der wolkenverhangene Himmel. Der letzte Treffer in der 75. Minute war ein eindeutig unberechtigt gepfiffener Elfmeter.

    Was mich an diesem Tag neben der effektiven Spielweise der Brasilianer vor allem beeindruckte, war die friedliche Atmosphäre vor, während und nach der Begegnung. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Keine gröhlenden Betrunkenen, keine höhnischen oder feindseligen Fangesänge – nichts dergleichen. Bewundernswert! In unserem uruguayischen Block outeten sich kurz vor dem Anpfiff zwei oder drei gelbgrün geschmückte Brasileros durch laute portugiesische Gesänge. Natürlich richteten sich alle Blicke auf das mutige Trüppchen, das sich da viele Blocks vom großen Rest der brasilianischen Anhänger entfernt in das himmelblaue Getümmel wagte, und natürlich gab es ein paar derbe Sprüche, aber es blieb bei einem eher neckenden Ton und durchgehend lächelnden und lachenden Gesichtern um uns herum.

    Auch nach dem Spiel sah man mehr lachende als traurige oder gar wütende Gesichter – und etwas Resignation vielleicht. Die Uruguayos sind halt Dämpfer gewohnt. Un fracaso mas – entonces, otra vez! – Eine Niederlage mehr – also, auf ein nächstes Mal! Ich hoffe, dass die Partie gegen Argentinien genauso friedlich verlaufen wird, trotz der angespannten Stimmung zwischen den Ländern. Wenn die nächsten drei Spieltage entsprechend verlaufen, könnte Uruguay es ja doch noch packen – entonces, vamos celeste – otra vez!

    Video: Vor dem Spiel gegen Brasilien im Estadio Centenario

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    Erstellt von Michael van Bevern, 08:23 Uhr

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