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  • 03Apr

    Es ist erstaunlich, was man hin und wieder im Internet zu lesen bekommt – natürlich auch über Uruguay.

    Heute fand ich in einem Blog einen Artikel, der die vermeintlich wahren Zustände in diesem Land gnadenlos entlarvt und dabei mit negativen Superlativen nicht geizt. Uruguay sei die “Steuerhölle auf Erden” las ich da, der hiesige Automarkt ein “Horrorszenario” und die Straßen des Landes gar ein “Massengrab”. Das ist starker Tobak. Ist Uruguay tatsächlich so infernalisch?

    Steuerhölle Uruguay? Teil 1


    Die Behauptung Nr. 1 in diesem Artikel: “Ein Haus im Wert von 100.000 Dollar wird in Paris mit 200 US Dollar besteuert, in Mailand mit 440 und in Madrid mit 551 Dollar. In Montevideo sind es 1.200 US-Dollar.”

    Abgesehen davon, dass mir die Zahlen reichlich pauschal erscheinen, weiß ich nicht, woher der Verfasser dieses Textes die scheinbar so präzisen Informationen über die zu zahlenden Steuern für ein Haus im Wert von 100.000 US$ in Europa bezieht, insbesondere da sich in diesem Preissegment die Auswahl auf dem europäischen Immobilienmarkt einigermaßen übersichtlich gestaltet. Ich weiß nicht, wie realistisch diese Angaben sind, was allerdings die Steuern in Uruguay anbelangt, liegen die Dinge ein wenig anders.

    Vorweg – in Uruguay gibt es folgende Steuerarten:

    1. Die Körperschaftssteuer – Impuesto a las Rentas de las Actividades Económicas (IRAE)

    2. Die Vermögenssteuer – Impuesto al Patrimonio (IP)

    3. Die Einkommenssteuer – Impuesto a las Rentas de las Personas Físicas (IRPF)

    4. Die Auslands-Einkommenssteuer (gilt für in Uruguay gemeldete Personen, die sich überwiegend im Ausland aufhalten) – Impuesto a las Rentas de los No Residentes (IRNR)

    5. Die Mehrwertsteuer – Impuesto al Valor Agregado (IVA)

    6. Die interne Absatzsteuer – Impuesto Específico Interno (IMESI)

    7. Die Grundsteuer – Contribución Inmobiliaria

    8. Die Kfz-Steuer – Patente de Rodados

    Auf Wohneigentum fällt in Uruguay Vermögenssteuer und Grundsteuer an. Bei Einzelpersonen werden bei der Vermögenssteuer, dem sog. Impuesto al Patrimonio (IP), progressive Sätze zugrunde gelegt, die zwischen 0,7% und 2,5% liegen, bei einem Freibetrag von 80.000 US$, für Familien 160.000 US$.

    Bei der Bemessung der Steuer wird der sog. Valor Real (Einheitswert) zugrunde gelegt, der bei einem Haus im Wert von 100.000 US$ bei etwa 50.000 US$ liegt. Für dieses Beispiel würde also keine Vermögenssteuer anfallen, da bei Einzelpersonen Werte bis zu 80.000 US$ nicht versteuert werden.

    Wie hoch ist die Grundsteuer? Die Grundsteuer fällt von Departamento zu Departamento unterschiedlich hoch aus. Sie berechnet sich ebenso wie die Vermögenssteuer nach dem Einheitswert, in diesem Fall also ca. 50.000 US$, nach dem heutigen Wechselkurs ca. 965.000 Pesos. Für Einheitswerte zwischen 773.291 Pesos und 1.546.581 Pesos fallen im Departamento Montevideo 1% Grundsteuern an, das sind für eine Liegenschaft mit einem Marktwert von US$100.000 also 500 US$ und keineswegs wie behauptet 1.200 US$.

    Uruguay ist wirklich kein Billigland, aber wir wollen doch mal die Kirche im Dorf lassen.

    Steuerhölle Uruguay? Teil 2


    Behauptung Nr. 2: “Ein Peugeot 306 Baujahr 96 wird in Madrid pro Jahr mit 100 Dollar, in London mit 274 U$ und in Montevideo mit 1.396 US-Dollar besteuert.”

    Das ist sagenhaft: Woher um Himmelswillen weiß einer so etwas? Für einen Peugeot 306, Baujahr 1996, zahlt man in London 274 US$ Steuern! Schau einer an!

    Ich habe keine Ahnung, wie hoch die steuerliche Belastung für einen Peugeot 306, Baujahr 1996 in London sein mag, aber ich habe doch erhebliche Zweifel an der in Montevideo entstehenden Steuerbelastung für ein solches Modell.

    1.396 US$ sind nach dem heutigen Wechselkurs etwa 27.000 uruguayische Pesos. Da sich der sog. Patente de Rodados, so heißt die hiesige Kfz-Steuer, zum Großteil nach dem Marktwert der Fahrzeuge bemisst, ist es wichtig, den aktuellen Kaufpreis für einen Peugeot 306, Bj. 1996 zu kennen. Die verlangten Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind in der Tat gehörig (s. a. Artikel über Autopreise in Uruguay). Sie liegen je nach Zustand und Laufleistung bei ca. 7.000 US$ – 10.000 US$.

    Ich habe nun allerdings keinen Peugeot 306, Bj. 1996 und kenne auch niemanden, der einen solchen Wagen besitzt. Steuertabellen oder irgendwelche anderen Berechnungsmöglichkeiten gibt es nicht. Man müsste also ein vom Wert her ähnliches Fahrzeug zum Vergleich heranziehen.

    Auf der Internetseite der Intendencia de Montevideo (www.montevideo.gub.uy) kann man, deutschen Datenschützern würden die Haare zu Berge stehen, mit Eingabe der sog. Padron-Nr. eines Fahrzeugs, die bezahlten und unbezahlten Steuer-Rechnungen, inkl. evtl. angefallener Strafmandate einsehen. Es lassen sich willkürlich irgendwelche 6-stelligen Zahlenreihen eintippen und schon findet man die entsprechenden Daten mit Angabe des Fahrzeugmodells.

    Ich habe die Geduld nicht aufbringen können, dieses Spielchen so lange zu treiben, bis mir zufällig ein Peugeot 306 mit entsprechendem Baujahr auf den Bildschirm geriet. Aber einen Chevrolet Corsa 1.7 DSL, Baujahr 2002 habe ich gefunden. Die aktuellen Marktpreise für diesen Wagen liegen zwischen 7.000 US$ und 10.000 US$, genau wie bei dem Peugeot.

    Für den Corsa fielen für 2010 16.800 Pesos an, das sind ca. 870 US$. Bezahlen brauchte der Fahrzeuginhaber allerdings nur 780 US$, da er seine Steuern gleich für das ganze Jahr bezahlt hat und in Montevideo, wie den meisten oder sogar allen anderen Departamentos auch, in diesem Fall 10% Nachlass gewährt werden. Natürlich, 780 US$ sind immer noch genug, aber es sind 616 US$ weniger, als der Verfasser besagten Textes mutmaßt.

    Gerade dieses Beispiel taugt für die Behauptung, dass Uruguay die “Steuerhölle auf Erden” sei, aber ganz besonders wenig, denn der Vollständigkeit halber hätte der Autor hinzufügen sollen, dass die Kraftfahrzeugsteuern in Uruguay von Departamento zu Departamento extrem schwanken und Montevideo in dieser Hinsicht meines Wissens das teuerste Pflaster des Landes ist. Die meisten unserer Kunden z. B. lassen sich im Dep. Maldonado nieder – wo man im Vergleich zur Hauptstadt im Schnitt nur die Hälfte der Kfz-Steuern bezahlt. Da relativiert sich die vermeintliche Steuerhölle gleich erheblich.

    Horrorszenario Automarkt?


    Behauptung Nr. 3: “Ein Kleinwagen wie z. B. ein Honda Swift kostet in Uruguay 24.000 US$”

    Gemeint ist natürlich der Suzuki Swift – es sei denn Honda und Suzuki hätten jüngst fusioniert. Die Autopreise in Uruguay sind wirklich horrend, aber als “Horrorszenario”, zudem noch als “ein weiteres Horrorszenario” würde ich sie nicht bezeichnen.

    Der Suzuki Swift ist nun ausgerechnet ein Modell, welches man in Uruguay sowohl gebraucht, als auch neu eher selten antrifft. Aber mal im Ernst: Was ist das für eine Aussage? Ohne Angabe zu Version und Ausstattung kostet irgendein Swift 24.000 US$.

    24.000 US$ sind nach dem heutigen Wechselkurs ca. 17.800 €. Ich verweise als Antwort auf das “Horrorszenario” auf die Webseite von Suzuki Deutschland. Jaja, es ist wirklich alles ganz entsetzlich in Uruguay!

    Uruguays Straßen: Ein Massengrab?


    Behauptung Nr. 4: “Zu den hohen Kosten gesellen sich ein hohes Sicherheitsrisiko, da der nationale Fuhrpark völlig überaltert ist und nur notdürftig von den Besitzern Instand gehalten werden kann. Die Strassen in Uruguay sind ein Massengrab.”

    Ein Massengrab – mein Gott – wir sind in unseren 4 Jahren Uruguay ca. 100.000 km durch ein Massengrab gefahren und haben es nicht bemerkt. Mir stehen die Haare zu Berge.

    Unabhängig davon, dass sich der “nationale Fuhrpark” in den letzten Jahren mächtig gewandelt hat und man inzw. mehr Neuwagen als Rostlauben sieht, sprechen die Zahlen für sich:

    In Deutschland leben 82 Mio. Menschen, im Jahr 2009 gab es 4.160 Verkehrstote. Auf 100.000 Einwohner kamen also 5,07 Verkehrstote – schlimm genug. Trotzdem wird diese Zahl zu Recht als großer Fortschritt angesehen, denn so wenige Verkehrstote gab es noch nie. Noch vor 20 Jahren sahen die Zahlen ganz anders aus. 1990 kamen auf 100.000 Einwohner über 13 Verkehrstote. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrstote#Deutschland)

    In Uruguay leben 3,3 Mio. Menschen und im Jahr 2009 gab es 172 Verkehrstote. Auf 100.000 Einwohner kamen also hier 5,21 Verkehrstote. (Quelle: http://otrosmedios.elpais.com.uy/2009/12/11/muertes-en-rutas-mas-que-en-2008/)

    Massengrab?

    Bevor man mit solchen Begriffen um sich wirft, sollte man gründlich recherchieren. Ich will es damit bewenden lassen, auch wenn noch manch andere der Aussagen in diesem Text sicherlich eine nähere Untersuchung verdient hätte. Aber sei’s drum.

    Hier der besagte Artikel

    Erstellt von Michael van Bevern, 18:54 Uhr

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